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Ballade der Routine

Ballade der Routine Zwanzig Uhr, Tagesschau , Die Bilder bunt, der Inhalt grau Gaza schreit, die Ukraine brennt der Sohn gefallen, die Mutter flennt  Über Klimaziele konferiert, die Erde schwitzt, doch nichts passiert.  Einigung vertagt man fein, die Zukunft bleibt ein ferner Schein. In USA, einst freies Land, zerstört man Rechte mit harter Hand. Zölle steigen, Stimmen verstummen, Ich bin Trump ihr seid die Dummen Zu Hause erstarkt die rechte Macht, der AfD, nicht über Nacht. Populismus schleicht sich rein, macht das Morgen finster und klein. Und dann, als wäre alles gut läuft im Krimi weiter Blut Und es wird, weil’s niemand juckt,  Realität mit Alkohol verschluckt Fiktion als Decke, welch und satt,  Vergessen die Pflicht, der Tag lief glatt Die Welt die brennt, die Arten sterben,  doch das erleben erst die Erben Wir leben weiter in Saus und Braus  Und machen jetzt die Glotze aus.  Bis morgen um die selbe Zeit Die Uk...

Kürbiswahn

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  Kürbiswahn im Herbst, ein persönlicher Leidensbericht Jedes Jahr im Herbst dasselbe Spiel: Kaum wird es draußen kühler und die Blätter bunt, scheint die Welt plötzlich nur noch einen Gedanken zu haben – Kürbis. Kürbis in allen Variationen, wohin ich auch schaue. Kürbissuppe, Kürbisbrot, Kürbis-Latte (was auch immer das sein soll). Man könnte meinen, der Herbst hätte außer diesen orangefarbenen Dickschädel und seinen Verwandten nichts zu bieten. Und so werde ich überrollt, Jahr für Jahr. Magazincovers prangen im Kürbis-Design, Kochblogs überschlagen sich mit neuen Kürbisrezepten, und selbst im Supermarkt springt mir der Kürbis entgegen – ursprünglich oder in Form von Kürbis-Chips, Kürbis-Müsli, Kürbis-Gewürz-Aufstrichen. Ich frage mich, ob uns demnächst auch noch Kürbis-Toilettenpapier droht. Ja, ich habe auch schon die eine oder andere Kürbissuppe gekocht, Kürbisspaghetti probiert, Kürbisschnitzel paniert und auch mal ein Kürbisrisotto ausprobiert. Aber es werden einfach nicht we...

Nadine Kapitel 1

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Kapitel 1: Der Fall ins Leere Nadine wachte auf. Die Kälte des Marmorbodens unter ihrem Gesicht und das dumpfe Pochen in ihrem Schädel holten sie zurück in die Realität. Sie blinzelte, versuchte sich zu orientieren. Das Licht war grell und brannte in ihren Augen. Sie lag im Badezimmer der Penthouse-Wohnung, die ihr Großvater ihr geschenkt hatte, und draußen verkündete das erste Morgenlicht, dass die Nacht vorbei war – eine Nacht, an die sie sich nur bruchstückhaft erinnern konnte. Zitternd und mit einem schalen Geschmack im Mund zog sie sich hoch, betrachtete ihr eigenes Spiegelbild. Die Wangenknochen scharf, die Augen gerötet, das Haar zerzaust. Für einen Moment verspürte sie Abscheu – sich selbst gegenüber und dem Leben, das sie führte. Doch das Gefühl war nur ein Hauch, wie der Rauch ihrer letzten Zigarette, der sich schnell im Raum verlor. "Na, schon wieder übertrieben, Kleine?" murmelte sie zu ihrem Spiegelbild und zwang sich zu einem schiefen Grinsen. Seit dem Tod ihrer...

Magdalena - Geschichte eines Dienstmädchens - Kapitel 1: Tagtraum

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  Magdalena - Geschichte eines Dienstmädchens 1. Tagtraum Seit drei Wochen arbeitete Magdalena nun auf Gut Rosenfels – dem weitläufigen Besitz des Freiherrn Alexander von Rosenfels, dessen Herrenhaus sich wie selbstverständlich in die sanften Hügel schmiegte, umgeben von goldenen Feldern und dunklen Wäldern, die eine fast unwirkliche Stille hüteten. Alles hier schien von jener Ordnung und Ruhe durchdrungen, die sie aus ihrem früheren Leben nicht kannte. Oft blieb sie im Morgengrauen einen Moment stehen, wenn der Nebel über den Wiesen hing, und fragte sich, wie sie an diesen Ort geraten war – fern von der Enge und Kargheit ihrer Kindheit, und doch nicht frei von einer Unruhe, die sie sich selbst kaum zu erklären vermochte. Ihr Vater war noch vor ihrer Geburt der Schwindsucht erlegen, und ihre Mutter, gezeichnet von Armut und Verzweiflung, hatte das Kind im zarten Alter von sechs Jahren ihrem Bruder überlassen – in der schwachen Hoffnung, dass es dort ein besseres Leben finden möge...