Vollmondnacht I
„Sei bereit.“ Nur eine kurze Nachricht, zwei Worte, die wie ein Blitz in ihr Herz trafen. Sofort stieg der Puls, das Blut raste durch ihre Adern. Der Tag hatte bereits katastrophal begonnen. Beim Frühstück hatte sie sich den Kaffee über die neue weiße Jeans geschüttet. Sie musste sich umziehen, war spät dran, und natürlich waren alle Parkplätze besetzt. Als sie endlich zur Arbeit kam, die spöttische Bemerkung dieser Kollegin: „Bis du kommst, sind andere schon wieder müde.“ Lisa hätte ihr am liebsten die Augen ausgestochen, doch gleichzeitig war sie kurz davor, in Tränen auszubrechen. Wortlos drehte sie sich um, aus Angst, dass ihre Stimme brechen würde, wenn sie sich wehren wollte. Am liebsten hätte sie alles hingeschmissen, einfach weggelaufen, irgendwohin, egal wohin. Sie fühlte sich ausgebrannt, leer, unfähig, die vier Wochen bis zum Urlaub noch durchzuhalten. Es war einfach zu viel. Und dann diese Nachricht. Ein kleiner Funke, der plötzlich das Gefühl in ihr weckte, dass sie noch l...