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Systemrelevanz

Systemrelevanz Für mich ist der Begriff bereits jetzt ein heißer Kandidat für das Unwort des Jahres. Es mag gut gemeint sein, den Kranken- und Altenpflegern, Ärzten, Kassierern an Supermarktkassen, Bäckern, Metzgern und vielen anderen diesen Status zuzuerkennen. Doch es ist bedauerlich, dass erst eine Pandemie erforderlich ist, damit weite Teile der Bevölkerung die Bedeutung dieser Berufe erkennen. Ich hoffe, dass in naher Zukunft mehr bleibt, als das Wissen, in Krisenzeiten „systemrelevant“ gewesen zu sein. Insbesondere wünsche ich mir eine leistungsgerechte und attraktive Entlohnung, die auch dazu beitragen könnte, den bestehenden Personalnotstand in diesen Bereichen zu lindern. Trotzdem fällt es mir schwer, mit dem Begriff „Systemrelevanz“ umzugehen, da er auf mich wie ein gesellschaftspolitischer Spaltkeil wirkt – in Zeiten, in denen wir ohnehin Abstand halten müssen. Diese Berufsgruppen sind wichtig, aber sie waren es schon immer: Ärzte, Pflegekräfte, Kassierer und viele andere...

Auch von mir etwas zum Virus

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Wie verändert das Coronavirus euer Leben? Diese Frage wurde vor einigen Wochen in einem Internetforum gestellt. Vermutlich war der Themenstarterin und den ersten Antwortenden damals noch nicht klar, wie sehr und wie schnell diese Krankheit unser aller Leben verändern würde – und weiterhin verändert. Mit einer beängstigenden Eigendynamik zieht das Virus seine Kreise, hinterlässt nachhaltige Spuren und zwingt die Welt zu einem Umdenken. Doch ich möchte heute nicht über Ängste, Sorgen oder Horrorszenarien sprechen. Es steht außer Frage, dass die Lage ernst ist. Die Zahl der Infizierten und der Todesfälle steigt weiter. Unternehmen und Existenzen sind bedroht, und die wirtschaftlichen Schäden sind immens. Vielleicht stehen uns auch in Deutschland noch drastischere Maßnahmen bevor – Ausgangssperren oder ähnliche Einschränkungen, die darauf abzielen, die Infektionsketten zu unterbrechen. Unsere bisherige Gesellschaft schien sich stets dem Motto „schneller, höher, weiter“ verschrieben zu habe...

Personenbezogene Werbung

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Es sollte eigentlich nicht passieren, und doch überrascht es mich nicht mehr, wenn ich heute Werbung für Digitalkameras in meinem Postfach finde, nur weil ich gestern ein Objektiv bestellt habe. Ebenso wenig wundert es mich, wenn morgen Anzeigen für Bondageseile auftauchen, nachdem ich heute Handschellen gegoogelt habe. Doch wie sieht es aus, wenn wir die Sache auf die nächste Stufe heben? Ist es wirklich bloßer Zufall, dass meine Partnerin am selben Abend Werbung für einen Online-Zitrusfruchthändler in ihrem Facebook-Feed entdeckt, nachdem wir uns am Nachmittag in einer vollkommen alexafreien Zone unseres Hauses auf der Couch unterhalten haben? Ein analoges Gespräch, wohlgemerkt, über den neuen Obststand vor dem Baumarkt, der angeblich jede Woche frisch importierte Orangen aus Sizilien verkauft. Kein Smartphone war aktiv, kein Mikrofon eingeschaltet, keine Suchmaschine bemüht. Und dennoch tauchte die Werbung auf – als hätte unser Gespräch es selbst hinaus in die digitale Welt getrage...

Kopfkino vs. Realität

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Kopfkino vs. Realität Kennst du das? Du lässt dein Kopfkino freien Lauf, träumst von deinen Wünschen und Vorstellungen, davon, was du erleben möchtest. Doch sobald sich die Möglichkeit ergibt, diese Fantasien Wirklichkeit werden zu lassen, verlässt dich der Mut. Vielleicht geht es dir wie mir. Dein Kopfkino flüstert dir zu, dass du einen strengen Erzieher suchst, einen Dom, einen dominanten Partner, der deine Sehnsüchte erfüllt. Und ich? Ich suche eine Sub, eine Partnerin mit devoter Grundeinstellung, die bereit ist, sich unterzuordnen. Doch suchen wir das wirklich? Du und ich? Oder suchen wir vielleicht etwas ganz anderes – jemanden auf Augenhöhe? Einen Menschen, der uns das Wasser reichen kann, der mit uns auf einer Wellenlänge schwimmt, der unser Niveau teilt? Unser Leben gleicht einem Puzzle. Viele Teile haben wir schon gefunden, und das Bild nimmt langsam Gestalt an. Doch da sind immer noch diese Lücken, diese offenen Stellen, die darauf warten, gefüllt zu werden. Du suchst den st...